Mitarbeiter binden: Antworten auf das „Warum?“ und das „Wie?“

Mitarbeiterfluktuation und Mitarbeiterbindung sind Begriffe, die auch in der Fitnessbranche bereits häufig diskutiert wurden. Manch ein geschäftsführender Fitnessclubinhaber hat den Nutzen der Mitarbeiterbindung bereits erkannt und hält seine Aktivitäten auf diesem Gebiet stets auf dem neuesten Stand. Anderen Inhabern ist der Nutzen noch eher unbekannt, weshalb sich zunächst die Frage nach dem „Warum?“ stellt oder sie besitzen zu wenige Kenntnisse über mögliche Maßnahmen der Mitarbeiterbindung und es stellt sich Ihnen die Frage nach dem „Wie?“ 
In jedem Fall kam das „Wie?“ vermutlich erst nach dem „Warum?“, weshalb nach dieser Reihenfolge die Beantwortung beider Fragen Berücksichtigung finden soll. Diejenigen Clubbetreiber, die Aktivitäten zur Mitarbeiterbindung bereits betreiben, können in diesem Artikel möglicherweise neue Ideen entdecken. Denjenigen Betreibern, die sich bisher weniger mit diesem Thema beschäftigt haben, soll dieser Artikel den Einstieg in solche Aktivitäten und damit zu einem weiterhin wettbewerbsfähigen Fitnessclub erleichtern.

Folgen der Mitarbeiterfluktuation – Das „Warum?“
Wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, werden in der Regel neue Mitarbeiter gesucht, die die Aufgaben des letzten Mitarbeiters übernehmen sollen, um auf diese Weise die entstandene Lücke zu schließen. Wir alle wissen, wie die Arbeit in einem Fitnessclub aussieht. Häufig herrscht ständiger Termindruck. Entweder muss vielen Interessenten und Bestandskunden der versprochene Service geliefert werden, oder es stehen Promotionaktionen, Marketingaktionen und sonstige Events an. Den vom ehemaligen Mitarbeiter hinterlassenen Mehraufwand von den ohnehin gut ausgelasteten Mitarbeitern unentgeltlich abdecken zu lassen, ist eine weit verbreitete Methode in der Praxis. Langfristig ist dies aber so nicht durchführbar, ohne in die Teufelsspirale ständiger Mitarbeiterfluktuation zu geraten.

Der Kostenfaktor
Ist aber ein neuer Mitarbeiter gefunden worden, muss dieser auch eingearbeitet werden. Auch hier ist wieder das Engagement der Bestandsmitarbeiter gefordert. Diese müssen sich für die gewissenhafte Einarbeitung Zeit nehmen, und zwar während der Öffnungszeiten. Nicht nur, dass hierdurch unproduktive Aufwendungen entstehen und zwar im doppelten Ausmaß (Bestandsmitarbeiter und neuer Mitarbeiter), auch muss der neue Mitarbeiter zunächst einige Erfahrungen sammeln, bis die Arbeit reibungslos funktioniert und absolviert werden kann. Wer weiß wie viele Beratungsgespräche zunächst mit einer klaren Gegenentscheidung des Interessenten enden, weil das Produkt bzw. die Dienstleistung natürlich noch nicht souverän genug präsentiert werden kann. Wie soll ein Interessent auf diese Weise Vertrauen aufbauen? Hier fallen keine direkten Kosten an. Es handelt sich dabei eher um Reibungsverluste. Am Ende des Geschäftsjahres oder schon in der monatlichen BWA sind die wirtschaftlichen Auswirkungen zwar zu erkennen, aber nicht klar auf die oben beschriebene Situation zurückzuführen. Selbst mittels Näherungsrechnungen lassen sich die Reibungsverluste nur erahnen. Vielleicht ist dies einer der Gründe, warum dann von den Mitarbeitern häufig mehr Mitgliedschaften gefordert werden, an die Beseitigung grundlegender Ursachen aber häufig nicht gedacht wird.

Der Ressourcenfaktor
Mitarbeiter, die eine gewisse Zeit im Unternehmen verbracht haben, besitzen häufig ein hohes Maß an Informationen. Somit treten nicht nur Reibungsverluste über mindestens 1-2 Monate auf, sondern es bricht außerdem ein Teil des gesamten Wissens des Unternehmens weg. Der ehemalige Mitarbeiter verfügt unter Umständen über besondere Fähigkeiten. Vielleicht besitzt er sogar besondere Lizenzen, sodass die Durchführung von bestimmten Dienstleistungen und Servicebausteinen gefährdet ist. Es ist sogar wahrscheinlich, dass diese Fähigkeiten und sensible Informationen über den Fitnessclub nun dem Wettbewerb zur Verfügung stehen. Somit hat der Wettbewerb die Möglichkeit, geplanten Entwicklungen entgegen zu wirken, neue Absatzmärkte zu blockieren, vielleicht sogar in die bestehenden Absatzmärkte einzudringen. Nahezu apokalyptische Zustände können an dieser Stelle beschrieben werden, wenn man so weit gehen wollte. Fakt ist, dass Ressourcen aus dem Unternehmen verschwinden, die dem Wettbewerb zur Verfügung gestellt werden. Grund genug seine Mitarbeiter möglichst binden zu wollen.

Der Imagefaktor
Was sagen Mitglieder des Fitnessclubs über ständige Mitarbeiterfluktuation? Wie reagieren sie darauf? Was tragen sie nach außen? Und welche Botschaft tragen die ehemaligen Mitarbeiter in ihr soziales Umfeld? Dank Facebook und Co. werden hunderte Menschen sogar auf digitalem Wege darüber informiert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jeder in der Umgebung der Meinung ist, „das kann kein guter Arbeitsplatz sein,“ und „die Qualität der Dienstleistung kann so doch niemals auf einem beständigen Niveau gehalten werden.“ Fitnessclub-Betreiber mit einer Monopolstellung in ihrem Marktgebiet lachen sich auch nur solange ins Fäustchen, bis die Konkurrenz die Vorzüge des Marktgebietes bemerkt. Mit einem massiven Imageschaden kann es sehr schwer werden sowohl neue Kunden als auch neue Mitarbeiter zu gewinnen und aber auch zu halten.

Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung – Das „Wie?“
Wenn es um Mitarbeiterbindung geht, denken die meisten sofort an Gehaltserhöhungen oder andere Boni, wie z.B. einen Dienstwagen. Sicher ist dies auch ein Thema, aber gerade der heutigen „Generation Y“ geht es doch um so vieles mehr als Geld oder wirtschaftliche Vorteile. Aus diesem Grund sollen im Folgenden neben Beispielen für monetäre Möglichkeiten auch Beispiele für nicht-monetäre Möglichkeiten genannt werden.

Das Betriebsklima
Unter permanentem Leistungsdruck ist der nicht berufliche Austausch zwischen den Mitarbeitern kaum möglich. Sollte sich dennoch eine Gelegenheit dazu ergeben, sind die Gespräche häufig belastet von inoffiziellen Beschwerden, von denen die Geschäftsführung nichts mitbekommen soll. Die Mitarbeiter tun eher das Gegenteil davon, sich gegenseitig zu motivieren. Die Implementierung einer wertschätzenden Feedbackkultur zwischen allen Mitarbeitern und der Geschäftsführung kann hierbei schon sehr viel bewirken. Wenn die Mitarbeiter keine Angst haben müssen, Ihre Bedenken offen bei der Geschäftsführung ansprechen zu können und dabei auf einen lösungsorientierten Umgang zählen können, ist der Chef bald der Held dieser kleinen „Nebenbeigespräche“ mit den Kollegen.

Das Führungsverhalten
Wie oft bekommt man es zu hören, dass der häufigste Kündigungsgrund der direkte Vorgesetzte ist? Im Fitnessclub wird der direkte Vorgesetzte häufig durch den Clubinhaber verkörpert, mindestens aber durch einen engagierten Studioleiter. Beide treten als Chef auf und verfolgen konsequent die gesteckten Ziele aus der Jahresplanung. Meistens bleibt da keine Zeit, sein eigenes Führungsverhalten zu hinterfragen, sodass die Wirkung, die beim Mitarbeiter bleibt, nur selten erahnt werden kann. Den Teufelskreis durchbrechen Sie aber erst, sobald Sie dies tun. „Führungsverhalten“ kommt von „Haltung“. Der Umgang mit den Mitarbeitern als Menschen entspringt einer bestimmten Haltung. Diese kann man nicht einfach einnehmen aber man kann sie sich aneignen. Die Haltung wird durch tief verwurzelte Überzeugungen und Glaubenssätze gestützt und baut auf diesen auf. Ein wertschätzender, lösungsorientierter Umgang sowie das Handeln nach der bereits genannten Feedbackkultur sind erste Ansätze, mit denen man sich beschäftigen kann, um das Führungsverhalten zu optimieren. Sollten dem Inhaber des Clubs dafür gewisse Kompetenzen fehlen, sollte es seine Aufgabe sein, diese Kompetenzen zu erlangen oder zumindest durch einen fähigen Studioleiter abzudecken.

Gezielte Personalentwicklung
Wenn die individuellen Fähigkeiten jedes einzelnen Mitarbeiters besonders gefördert werden, entspricht dies schon einer gewissen Anerkennung des Mitarbeiters durch den Chef. Des Weiteren bekommt der Mitarbeiter so die Gelegenheit sich stets weiter entwickeln zu können, was gut für sein Selbstbewusstsein und seine Motivation ist. Der Clubinhaber hat hierbei sogar die Möglichkeit dem wirtschaftlichen Idealbild der lernenden Prozessorganisation mit seinem Club näher zu kommen. Auf diese Weise erhält der Mitarbeiter besondere Verantwortung und das Gefühl ein Spezialist im Unternehmen zu sein. Dabei ist es nicht das Ziel den Mitarbeiter unentbehrlich zu machen, sondern seine Motivation stets zu fördern. Für den Fall eines Ausscheidens des Mitarbeiters sollte es natürlich trotzdem einen Plan B geben.

Das Einbeziehen der Mitarbeiter in die Unternehmensstrategie
Nur Mitarbeiter, die die Unternehmensziele und die Strategie zur Erreichung dieser Ziele kennen, können auch im Sinne des Unternehmens handeln. Zudem ist es ein unbedingtes Muss die Aufgaben an die Mitarbeiter nicht nur nach Inhalt, Ausmaß und Zeit zu definieren, sondern auch nach Zweck, Nutzen und Ertrag. Warum dies so wichtig ist? Das ist mit einer Gegenfrage gut zu beantworten. Wenn der Mitarbeiter mit verbundenen Augen durch den Fitnessclub läuft, ist er dann schneller und effektiver als mit offenen Augen? Mitarbeitern, denen die Augen verbunden wurden, können also nicht in der Geschwindigkeit ins Ziel laufen, in der es sich jeder Clubbetreiber wünscht. Deshalb sollte dieser Punkt unbedingte Anwendung finden.

Innovative Beteiligungsmodelle
Irgendwann stellt sich jeder die Frage: „Und was habe ich davon?“ Unternehmer, und so auch Clubbetreiber, sind sich dessen mehr bewusst als andere. Jeder möchte irgendwann auch einmal spüren, dass seine Arbeit entsprechend honoriert wird. In Fitnessclubs ist aber häufig der Mindestlohn zu finden. Sollten die Gehälter den Mindestlohn übersteigen und vergleichsweise vielleicht sogar wirklich gut sein, so kann es im Rahmen der Mitarbeiterbindung dennoch sinnvoll sein, gewisse Beteiligungsmodelle in Erwägung zu ziehen. Es gibt bereits einige geeignete solcher Modelle, mit denen zum einen Mitarbeiter gebunden werden, diese aber auch motiviert werden die Clubmitglieder zu binden. Diese Modelle stellen besondere Formen der Umsatzbeteiligung, Ausstattungsbeteiligung oder sogar der Kapital- bzw. Unternehmensbeteiligung dar, deren Beschreibung an dieser Stelle zu umfangreich wären. Mit der Einführung solcher klugen Ideen erreicht der Fitnessclub aber eine besondere Art der Stabilität, wie Sie die Konkurrenz meist nicht besitzt. Zudem verschafft diese Stabilität dem Unternehmen auch mehr Zeit auf Veränderungen im Markt zu reagieren.

Nun ist es an der Zeit für Sie, die ersten Anregungen umzusetzen. Sollten Sie Fragen diesbezüglich haben, stehe ich Ihnen als Autor dieses Artikels gern zur Verfügung.

Literatur:
Dehmel, J. (2015) Mitarbeiterfluktuation bekämpfen: Handlungsfelder der Personalentwicklung. Hamburg: Diplomica® Verlag GmbH.
Matyssek, A. K. (2007) Führungsfaktor Gesundheit. So bleiben Führungskräfte und Mitarbeiter gesund. Offenbach: GABAL Verlag GmbH.

 

 

 

 

 

 

 

Daniel Diemar, M.A.
-Junior Consultant

 

 

 

 

 

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