Faszientraining – Was bringen die trendigen Bindegewebsübungen?

Seit Dr. Robert Schleip 2014 das Buch „Faszien-Fitness: Vital, elastisch, dynamisch in Alltag und Sport“ veröffentlichte, ist ein wahrer Hype um den neuen Fitnesstrend ausgebrochen. Die Übungen sollen schlank, elastisch, schmerzfrei und dynamisch machen und dabei noch Cellulitis beseitigen. Faszien sind Bindegewebsfasern im gesamten Bewegungsapparat, die hauptsächlich aus Kollagen bestehen und als Ummantelung sowie Stütze für Muskeln, Organe, Knochen und Gelenke dienen. Nach neueren Erkenntnissen stellt sich das Fasziengewebe junger Menschen als gitterartiges Netz mit wellenförmigen Kollagenfasern dar, während es bei älteren Menschen als ungeordnetes Filzwerk erscheint. Das Faszientraining soll die Fasern durch gezielte Belastung wieder zur Wellenstruktur und in die bidirektionale Ausrichtung bringen und so ihre jugendliche Elastizität und Zugfestigkeit erhalten.

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(Videoquelle Youtube / https://www.sophia-thiel.com/de/training)

Elemente des Faszientrainings: Hüpfen, Rollen, Dehnen, Biegen

Viele Übungen rufen Erinnerungen wach – beim Faszientraining trifft sich Großmutters Gymnastik mit Elementen aus Yoga und Pilates. Es geht beim aktuellen Trendsport nicht darum, etwas völlig Neues zu kreieren, sondern erprobte Bewegungsabläufe speziell auf die Stärkung der Faszien auszurichten.
Einen wesentlichen Teil machen Hüpf- und Sprungübungen aus; denn beim Federn kann sich auch in menschlichen Beinen ein ähnlicher Katapultmechanismus ausprägen, wie ihn Gazellen und Kängurus für ihre erstaunlichen Sprünge nutzen. Dehnübungen, die oft an Yogapositionen angelehnt sind, sollen das Zusammenspiel der Muskeln und Faszien verbessern.

Ein besonderes Trainingsgerät wurde zum sogenannten „Fascial Release“ entwickelt, nämlich eine feste Schaumstoffrolle, auf der beim Rollen der einzelnen Körperpartien verklebte Faszien wieder aufgelockert werden und Schmerzen verschwinden sollen. Schließlich gehört zum Programm das wellenförmige Biegen der Wirbelsäule, das den Wasseraustausch im gesamten Körper verbessern und die eigene Körperwahrnehmung stärken soll.

Kritik: Wissenschaftliche Belege sind noch rar

Einige Kritiker bezweifeln die Wirksamkeit des Trainingsprogramms, da bislang nur fundierte Studien zu einzelnen Teilbereichen vorliegen, zum Gesamtpaket aber noch ausstehen. Belegt ist bisher, dass federnde Hüpfübungen die Sprungkraft steigern und dass durch langsame Dehnübungen auf Dauer die Leistungsfähigkeit der Muskeln zunimmt. Zum Teil wird auch bezweifelt, dass ein spezielles Faszientraining überhaupt nötig sein soll, da der gesunde Mensch schon beim traditionellen Muskeltraining sein Bindegewebe ausreichend mittrainieren könnte.

Auch wenn aber der besondere Nutzen nicht zweifelsfrei feststeht, ist Faszientrainig sicherlich ebenso gesund wie andere Programme. Immerhin besteht nur eine sehr geringe Verletzungsgefahr, da der Körper allzu starkes Dehnen über die Schmerzgrenze hinaus von sich aus blockiert. Allerdings sollten Fitnessbegeisterte bedenken, dass die Übungen nur als Ergänzung zum klassischen Muskeltraining gedacht sind und dieses nicht komplett ersetzen sollen.